Gestalttherapie ist eine moderne, humanistische
Psychotherapie. Mehr noch, sie ist eine Haltung zum Leben. Sie
basiert dabei auf einem ganzheitlichen Menschenbild.
Im Mittelpunkt der Gestaltarbeit steht der Kontakt. Dabei gilt das
Hauptinteresse dem, was sich "hier und jetzt" zeigt. Dazu gilt es sich die
notwendige Achtsamkeit zu erwerben. Heilung beginnt da, wo wir wahrnehmen,
was wirklich (um uns und in uns) ist.
Über die Gestalttherapie ist schon sehr viel geschrieben worden. Wir wollen
deshalb nicht einen weiteren Versuch unternehmen, das in Worte zu fassen,
was doch nur unzulänglich auszudrücken ist. Zum Einen haben
das Andere vor uns schon sehr gut getan, zum Anderen werden Sie
"Gestalt" erst erfahren, wenn Sie sie erleben. Alle
Lektüre vorab gleicht einem Landkartenstudium. Man entwickelt an Hand der
Darstellung mit Bildern und Symbolen seine eigenen Phantasien und legt sich eine
Route zurecht. Die Reise letztlich ist dann doch etwas ganz Anderes,
auch der Verlauf kann sich von den Plänen deutlich unterscheiden.
Wir empfehlen Ihnen hier nur zwei interessante Links , über die Sie sich fundiert informieren können.
Wenn Sie sich einen Gefallen tun wollen, dann lesen Sie nicht zuviel vor dem
ersten wirklichen Kontakt mit der Gestalt. Wie bei der Landkarte auch: Es werden
immer wieder unterschiedliche Darstellungen der selben Sache sein. Das wird
Sie nicht wirklich weiter bringen, unter Umständen sogar verwirren.
Sie mögen alle erdenklichen Karten der Welt studieren,
Beschreibungen von Menschen, die gereist sind und Sie werden dadurch nicht
einen Millimeter vom Fleck kommen. Tun Sie jedoch diesen
notwendigen ersten Schritt, dann sind Sie auf dem Weg!
Was wir Ihnen hier allerdings gerne weitergegeben möchten,
sind eine Hand voll Zitate aus dem Buch des Gestalttherapeuten
und Lehrtherapeuten Bruno-Paul De Roeck.
Er schreibt in seinem Buch "Gras unter meinen Füssen", eine sehr
ungewöhnliche Einführung in die Gestalttherapie. Wir haben dieses Buch schon
mehrfach verschenkt, vielfach empfohlen und nehmen es selbst immer wieder in die
Hand. Bruno-Paul De Roeck findet klare, einfache und doch sehr
deutliche Worte, das zu beschreiben, worum es ihm bei der Gestalttherapie
geht. Eine der einfachsten und doch übersichtlichsten Landkarten der
Gestalttherapie, finden wir!
... in der Gestalttherapie unterscheidet man nicht zwischen Gesunden und
anderen Kranken. Gestalttherapie, oder einfach nur "Gestalt", ist vielmehr eine
Lebenseinstellung, die praktische Konsequenzen hat. Es geht um dich und mich und
um unsere Erfahrung hier und jetzt. Wachstum ist hier das richtigere Wort als
Therapie. Wachstum: spontaner, lebendiger und glücklicher sein.
... Wir leben auf zwei Ebenen. Einmal ist da die Realitätsebene, auf der wir
Berührung haben mit unseren eigenen Gefühlen, mit unseren Sinnen, mit dem, was
in unserem Körper geschieht, mit dem, was um uns herum vorgeht.
Zum anderen gibt es die Ebene, die wir wohl die intellektuelle, die Denkebene
nennen, auf der wir uns selbst und damit auch unsere Umwelt ernsthaft
beschummeln. Das ist der Raum, wo wir grübeln. Wo wir uns ausdenken, was die
anderen von uns denken oder erwarten, oder von uns denken oder sagen werden.
Es ist die Ebene, auf der wir uns selbst gegenüber ständig wiederholen, was
wir nicht alles tun würden, wenn wir nur nicht ... auf der wir jahrelang
nachsinnen und uns selbst verletzen, ohne einen Schritt voran zu kommen auf der
wir uns alle möglichen Katastrophen vorstellen, die auf uns oder unsere Kinder
in der Büchse der Pandora warten könnten. Wo wir jammern über unsere Eltern, die
uns haben studieren lassen oder auch nicht, so dass wir jetzt ... Das ist die
Ebene, auf der wir uns immerfort im Kreise bewegen mit dem Erfinden neuer
Begründungen, mit dem Ausgraben alter Probleme, mit Spekulationen über die
Zukunft ... so dass wir nur ja nicht das Risiko auf uns zu nehmen brauchen,
jetzt zu leben.
Das ist die Ebene, auf der wir uns selbst krank machen, indem wir das, was
wir sind, terrorisieren mit allem, was wir sein möchten oder sein müssen.
... Elefanten versuchen nicht, Giraffen oder Schwalben zu werden.Radieschen
versuchen nicht, Rote Beete zu werden. Aber wir versuchen zu sein, was wir nicht
sind. Wir ersticken in den Idealen, die unerreichbar sind oder die nur auf
unsere eigenen Kosten erreicht werden können. Wir gehen auf den Zehenspitzen, um
nur ja nirgendwo anzustoßen, und werden schließlich ärgerlich auf unsere Zehen,
wenn sie uns weh tun .
...Ein gesunder Mensch ist für mich jemand, der guten Kontakt zur Realität
hat: zu der großen und der kleinen Welt um ihn herum und in ihm selbst. Ich
selbst sehe mich genau dazwischen: zwischen gesund und krank sein. Manchmal
neige ich mehr nach links, manchmal mehr nach rechts. So geht es wohl den
meisten Menschen, denke ich.
... Ich komme von weit her. Von einem Ort, wo aus meinem Mund: «Kann ich
etwas für dich tun?" bedeutet: «Ich habe keine Worte für meine Angst. Darf ich
bei dir sein? Laß mich nicht alleine!" Wut konnte sich dort nur in freundlichem
Lächeln äußern. Die Tränen, die hinter meinen Augen verschlossen waren, liefen
nach innen über: ein heißer Strom, der sich einen Weg suchte durch meine Kehle
und sich in meinem Magen einbrannte. Das Überlaufen eines Fasses voller Kummer,
der niemals abnimmt. So stark sehnte ich mich nach jemandem, der mich nicht
verurteilen würde, daß ich es nicht mehr wagte, die Menschen anzusehen. ' Die
Worte, die mich ihnen näher hätten bringen können, wagte ich nicht einmal mehr
zu denken. Die Hände, die anrühren wollten, versteiften sich zu kalten Zangen,
und die Haut, die sich so sehr sehnte, berührt zu werden, wich zurück vor der
Zärtlichkeit. Verzweiflung: wie eine schwarze Mauer, die über mich kam. Als ob
dies alles noch nicht genug gewesen wäre, erdachte ich eine neue Quälerei, mit
der ich mich noch mehr vernichten konnte. Ich warf mir selbst meinen Kummer vor.
Jahrelang, Tag für Tag schlug ich mir selbst meine Neurosen um die Ohren.
Erniedrigen, bestrafen, zur Hölle der Vollkommenheit treiben unter dem Motto: to
be the best or not to be ... Ich habe einen langen Weg zurückgelegt. Ich weiß
nicht, ob ich einen Schritt weiter bin als damals. Manchmal scheint es mir, als
liefe ich einen jahrelangen Weg, der sich zu einem Kreis umbiegt und der mich
immer wieder zum Ausgangspunkt bringt, der jedes mal tiefer liegt.
Dennoch hat sich etwas verändert: Ich bin nicht länger mein Feind. Es wachsen
mir freundliche Blümchen hinter den Ohren. Manchmal läuft das Fass über, die
Tränen über meine Wangen, und sie verbrennen mir nicht mehr Kehle und Magen.
Oft wage ich es, dir in die Augen zu sehen, um dich zu sehen anstelle meiner
Phantasie über dich. Manchmal verkrampfen sich meine Hände nicht. Manchmal wage
ich es, mich der Zärtlichkeit anzuvertrauen. Mehr und mehr wird die Peitsche des
Vollkommenheitsideals ersetzt durch den kecken Humor eines lumpigen Neurotikers,
der sich sehen lassen kann.
JEDEM, DER SICH AUF DEN GESTALTWEG MACHEN MÖCHTE, SEI DIESES KLEINE BUCH ANS
HERZ GELEGT.